Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
18.05.2012
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07.05.2010

"Vorbild" Griechenland - knallhartes Sparen auch bei uns?

Ein Haufen Steine am Strand von Sithonia - sonst nichts / Foto: Feulner

Ein Kommentar

 

Die Berichterstattung der Medien zur griechischen Krise spitzt sich zu und schlägt scharfe Töne an: Erstens diskreditiert sie das Land pauschal und zweitens greift sie Löhne und Sozialabsicherungen an. So heterogen die Kritikpunkte und Anschuldigungen auch sein mögen, in einem Punkt herrscht in der (ver)öffentlich(t)en und politischen Meinung überwiegend Übereinstimmung: Nur durch extremes Sparen kann sich das Land selbst retten; ausnahmslos alle müssen den Gürtel enger schnallen. 


Die Gunst der Stunde wird nicht selten dazu genutzt, knallhart zu fordern, dass Deutschland und die anderen EU-Ländern ebenfalls massive Einsparungen vornehmen müssen. Die Vorschläge zielen häufig auf soziale Absicherung und Lohnniveau. 

Es steht außer Frage: Wir müssen den Menschen in Griechenland aus Eigeninteresse, aber auch und insbesondere aus Gründen der Solidarität helfen. Unbestreitbar muss auch Griechenland massive Änderungen vornehmen. Sparen alleine greift allerdings zu kurz! Die Kürzungsforderungen dürfen nicht dazu führen, dass Menschen von ihren Einkommen nicht mehr menschenwürdig leben können. Diese Gefahr ist reell. 

Bereits vor den ersten Einsparungen lebte jeder fünfte Grieche von weniger als 7.000 Euro im Jahr. Griechenland gehört damit zu den Ländern mit den höchsten Armutsgefährdungsquoten in Europa. Nebenbei, griechische Löhne sind wettbewerbsfähig. Die Produktivität ist verhältnismäßig niedrig, die geringen Löhne gleichen dies jedoch mehr als aus. Ein Blick auf das Verhältnis von Produktivität zu Arbeitskosten je Stunde zeigt einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Durchschnitt der Euroländer. 

Ein radikaler Spar- und Lohnkürzungskurs würde auch die Binnennachfrage und damit die Steuereinnahmen massiv gefährden. Mit der Inlandsnachfrage wird in Deutschland gerade das Element bedroht, was uns vor einem totalen Absturz in der Krise schützte. 

Es darf kein internationales Lohnkürzungs- und Sozialabbaurennen geben. Ein solcher politischer Wettbewerb dient keinem Menschen, nirgends auf der Welt. Und schon gar nicht dient die Wirtschaft in diesem Fall dem Menschen - was eigentlich ihre Aufgabe und ihr Ziel sein sollte.

 

SUSANNE OTT und THOMAS KRÄMER sind wissenschaftliche ReferenInnen im kda Bayern

 

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