Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
18.05.2012
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02.04.2012

Offener Brief an Staatsminister Zeil

Brief zum Herunterladen

MÜNCHEN - In einem offenen Brief an den Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft Martin Zeil bringt Pfarrer Dr. Roland Pelikan "größte Bestützung und sprachloses Entsetzen" über das "Nein" zu einer Transfergesellschaft für die 11.000 gekündigten Schlecker-Beschäftigten zum Ausdruck. "Ich habe gebangt und gebetet", schreibt kda-Mitarbeiter Pelikan.

 

"Das bevorstehende Osterfest wird daher für diese vielen Menschen kein Anlass zur Freude sein."

30.03.2012

Schlecker: Politik muss dem Menschen dienen

Foto: Feulner

NÜRNBERG – „Politik muss dem Menschen dienen, ansonsten taugt sie nichts“, sagt Sozialsekretär Norbert Feulner vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evangelischen Kirche (kda). Tausende von Schlecker-Mitarbeiterinnen fühlen sich von der Politik verschaukelt und im Stich gelassen. „Die Enttäuschung und der Schock sitzen ganz tief“, fasst Feulner die Stimmung aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen zusammen.

 

Für das Scheitern der Transfergesellschaft trägt vor allem die FDP die Verantwortung. Ab kommenden Montag werden 1.300 Schlecker-Beschäftigte in Bayern in die Arbeitslosigkeit geschickt. Ob der Arbeitsmarkt für die Entlassenen tatsächlich so aufnahmefähig ist wie behauptet, wird sich zeigen. „Wir werden genau hinsehen unter welchen Arbeitsbedingungen Anschlussbeschäftigungen angeboten werden“, sagt Feulner. „Es kann nicht sein, dass die Schlecker-Frauen erst durch das Missmanagement eines Patriarchen leiden müssen, dann von Teilen der Politik ignoriert werden, um sich dann auch noch in prekären Beschäftigungsverhältnissen wiederzufinden“, sagt Feulner, der seit Jahren die Schlecker-Mitarbeiterinnen begleitet.

 

Im Mai wird der kda einen „Schlecker“-Treff in Nürnberg anbieten, um den Betroffenen die Möglichkeit zum Austausch und zur Orientierung zu geben. Einen solchen Treff gibt es bereits seit 2009 für die ehemaligen „Quelle“-Beschäftigten. „Wir haben mit diesem Angebot gute Erfahrungen machen können“, sagt Feulner. „Die Menschen dürfen nicht vergessen werden.“

 

26.03.2012

Schlecker: Geschlossen! Aber wie geht's weiter?

Die gechlossene Schlecker-Filiale in Heroldsberg (bei Nürnberg) in der Sachgasse. Gibt es einen Neuanfang für den Rest des Filialnetzes? - Foto: Feulner

NÜRNBERG / AUGSBURG– Am letzten Freitag und Samstag wurden rund 2.200 Schlecker-Filialen geschlossen. 200 konnten ver.di und die Betriebsräte retten. Knapp 11.000 Beschäftigte wissen noch immer nicht ob sie zum 1. April gekündigt werden oder in eine Transfergesellschaft übergehen. Die politisch Verantwortlichen sind sich teilweise uneins darüber was Vorrang hat: die reine Lehre des Marktes oder die soziale Verantwortung für Menschen. Landesbischof Prof. Heinrich Bedford-Strohm und Landessynodalpräsidentin Dr. Dorothea Deneke-Stoll trafen bei der Landessynode in Augsburg Schlecker-Betriebsrätinnen aus Mittelfranken.

Begegnung bei der Landessynode in Augsburg, hier beim anschließenden Pressegespräch: (v.l.) kda-Mitarbeiter Norbert Feulner, Betriebsrätin Monika Gurzu und Birgit Netter, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Landessynodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll, Betriebsrätin Inge Häberl - Foto: Lüters

Bei diesem Treffen konnten die Betriebsrätinnen über ihrer aktuelle Situation berichten. Ihre Wünsche und Forderungen griffen  Bedford-Strohm und Deneke-Stoll auf. „Diese Solidarität der Kirche ist ganz wichtig für uns und gibt uns Kraft zum Weitermachen“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Birgit Netter. „Und mit Gottes Hilfe werden wir eine neue Zukunft schaffen“, ergänzte Betriebsratskollegin Inge Häberl. 90.000 Menschen haben mit ihrer Solidaritätsunterschrift gezeigt, dass sie hinter den Schlecker-Beschäftigten stehen.

 

Initiiert wurde die Begegnung von kda-Mitarbeiter Norbert Feulner. Der kda-Bayern wird in den nächsten Wochen erste Treffs für Schlecker-Beschäftigte in Nürnberg anbieten.

 

Sehen Sie auch  "Solidarität mit Schlecker-Mitarbeitern" (Bayerisches Fernsehen v. 21.3.2012)

16.03.2012

„Vielen von euch wird die Seele aus dem Leib gerissen.“

Schlecker-Frauen beim Protest in Nürnberg - Foto: Feulner

MITTELFRANKEN – Die Ampel steht auf Rot. Tafelfeldstraße 28 in Nürnberg, Standort einer Schlecker-Filiale. Ab 24. März wird das Geschichte sein. Diese und weitere rund 30 Filialen werden im Großraum geschlossen, in Bayern insgesamt rund 280. Eine Kündigung erhalten in den nächsten Tagen in Mittelfranken rund 150 Mitarbeiterinnen. 250 Schlecker-Frauen bringen gestern dagegen ihre Wut und Enttäuschung in einer aktiven Mittagspause während einer Betriebsversammlung lautstark zum Ausdruck. Sie fordern von der Politik vorübergehend Geld für eine Transfergesellschaft zur Neuorientierung für bundesweit fast 12.000 Gekündigte. Für die Dauer von sechs Monaten braucht es dafür einen Betrag von rund 85 Millionen Euro.

 

Auf dem Demonstrationsweg durch die Nürnberger Innenstadt wirft die Betriebsratsvorsitzende Monika Gurzu an der Geschäftsstelle der CSU in der Jakobstraße einen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer ein, mit der dringenden Aufforderung, sich für die Zukunft der 4.000 Schlecker-Beschäftigten in Bayern wirkungsvoll einzusetzen.

Evang. Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) zusammen mit der Kath. Betriebsseelsorge unterstützen den lauten Aufschrei - Foto: Feulner

Lob für Betriebsrat

 

ver.di-Gewerkschaftssekretär Manfred Wages hebt vor allem den unermüdlich, fast übermenschlichen Einsatz der Betriebsratsmitglieder heraus. Wages bringt die Stimmung der enttäuschten Frauen auf den Punkt: „Vielen von euch wird die Seele aus dem Leib gerissen.“

 

Bei der Kundgebung vor der Schlecker-Filiale in der Nürnberger Ludwigstraße kritisiert Norbert Feulner vom kda Bayern das Verhalten von Anton Schlecker, dass dieser nicht einmal den Anstand besitzt, auf seine Mitarbeiterinnen zuzugehen, die ihn zu einem der reichsten Männer überhaupt gemacht haben: „Hat er euch schon mal gefragt wie es euch geht? Jetzt, wo ihr wisst, wie es sich leidvoll anfühlt, wenn ein Patriarch sein Unternehmen gegen die Wand fährt“, sagt Feulner. Besonders hebt Feulner die Leistung der Schlecker-Mitarbeiterinnen gegen den Widerstand der Unternehmensleitung hervor: „Ich habt unendlich viel erreicht und habt euch dadurch eure Würde und euren aufrechten Gang bewahrt. Das macht euch stark für die kommenden Herausforderungen. Dabei werden wir euch als Kirche weiter unterstützen.“ 

Vor der Schlecker-Filiale in der Nürnberger Tafelfeldstraße:(v.l.) Norbert Feulner (kda Bayern), Günter Gloser (MdB, SPD und Mitglied der Landessynode der Evang. Kirche in Bayern), Inge Häberl, Manuela Fuchs (beide Betriebsrätinnen), Angelika Weikert (MdL, SPD) - Fotos: Matejka

Sozialsekretär Feulner fordert, dass die Beteiligung von Investoren unter Beibehaltung von Mitbestimmung und Tarifbindung erfolgen muss. „Euer mühsamer Kampf als Betriebsrätinnen und Gewerkschafterinnen und die vielen Opfer der Beschäftigten dürfen nicht umsonst gewesen sein. Ihr dürft nicht erneut unter die Räder von Gier und Ausbeutung fallen.“

 

Zusammen mit der Katholischen Betriebsseelsorge wird der kda da sein, wenn ein letztes Mal in der kommenden Woche der Schlüssel der Ladentür umgedreht wird ...

 

Meldungen über Aktionen bei Schlecker mit Beteiligung des kda Bayern:

 Die Angst geht um (Nürnberger Nachrichten v. 13.3.2012)

 Großer Schock bei den Schlecker-Mitarbeiterinnen in Lauf (Pegnitz Zeitung v. 2.3.2012)

07.03.2012

Betriebsrat dankbar für Unterstützung der Kirchen

Wie oft wird die Ladentür zur Schlecker-Filiale am Martkplatz in Herrieden noch aufgehen? - Foto: Feulner

MITTELFRANKEN – In der vergangenen Woche sind die Solidaritäts-Aktionen der arbeitsweltbezogenen Dienste und Arbeitnehmerverbände der Evangelischen und Katholischen Kirche vor Schlecker-Verkaufsstellen in Mittelfranken angelaufen. Weitere Aktionen folgen in dieser Woche in Nürnberg und Fürth. „Wir erleben Erstaunen bei den Kunden und Dankbarkeit bei den Betriebsrätinnen und Beschäftigten von Schlecker“, sagt kda-Sozialsekretär Norbert Feulner im Anschluss an die ersten Aktionen im Nürnberger Land und in West-Mittelfranken.

 

Geld spielt bei der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker logischerweise eine entscheidende Rolle. Im westmittelfränkischen Herrieden läge das Glück so nahe: Die Schlecker-Filiale befindet sich mitten im Herzen der Kleinstadt auf dem Marktplatz, unmittelbar neben der Sparkasse, also einem Ort mit Geld. Geld bekommen die Mitarbeiterinnen von Schlecker von der Sparkasse. Nämlich von der Sparkasse Ulm, die für die Arbeitsagentur das Insolvenzgeld vorfinanziert.

Betriebsrätinnen vor ihrer Schlecker-Filiale in Lauf - Foto: Feulner

Ratlosigkeit

 

„Was sollen wir denn nur machen, wenn es unseren Schlecker hier nicht mehr hier gibt?“, sagt eine ältere Dame, bevor sie den Stift ansetzt für ihre Unterschrift in eine Liste, mit der sie ihre Solidarität mit den Beschäftigen zum Ausdruck bringt. Von einem gegenüberliegenden Geschäft kommt die Besitzerin und trägt sich ebenfalls in die Liste ein. Eine andere Frau findet es gut, dass die Kirche sich mit so einer Aktion für die Schlecker-Frauen einsetzt und möchte ebenfalls unterschreiben. Ein Nachbar vom EineWelt-Laden holt spontan einen Tisch, spendiert Kaffee und Gebäck und lässt sich über die Situation informieren.

 

Den Betriebsrätinnen Adrijana Soldo, Vera Richter und ihren Kolleginnen in der Filiale wird es trotz aller Ängste und Sorgen warm ums Herz: „Es ist klasse, dass ihr von der Kirche da seid und uns unterstützt“, sagt Betriebsratsvorsitzende Soldo bevor sie mit ihrer Kollegin wieder loszieht, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Dabei überreichen sie das Flugblatt der Kirchen.

Spontane Unterstützung der Aktion vor der Schlecker-Filiale in Herrieden - Foto: Feulner

Stunden vorher in  Heilsbronn. Auch hier ähnliche Reaktionen vor der Schlecker-Filiale. Eine Schlecker-Mitarbeiterin berichtet von ihren Zukunftsängsten. „Und jetzt hat mein Sohn auch noch Konfirmation“, sagt sie, „wie soll ich das alles schaffen?“ Der Kontakt vor allem mit den ältern Kundinnen und Kund gefällt ihr sehr. Neben ihrem Job bei Schlecker hat sie ihre Mutter sieben Jahre gepflegt. Bei der Suche nach einer beruflichen Veränderung will sie die dabei erworbenen Kompetenzen im Blick haben. Aber noch ist keine Entscheidung getroffen, ob die Filiale eine Zukunft hat und die Arbeitsplätze bei Schlecker in Heilsbronn und anderswo erhalten bleiben.

Unterschriftenliste zum Herunterladen

Unterschriftenliste

 

Am 23.1.2012 haben Schlecker e.K., Schlecker XL, Schlecker Home Shopping und Ihr Platz beim Amtsgericht Ulm Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren gestellt. Voraussichtlich zum 1.4.2012 werden diese Verfahren eröffnet. Zwischenzeitlich hat der vorläufige Insolvenzverwalter angekündigt, dass rund 12.000 Arbeitsplätze wegfallen und rund die Hälfte der 25.000 Filialen geschlossen werden sollen.

 

Lesen auch auf bayern-evangelisch:  "Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt fordert Unterstützung für Schlecker-Mitarbeitende"

09.02.2012

Wie weiter bei Schlecker?


Protest vor Schlecker-Zentrale in Ehingen, Mai 2009 - Foto: Feulner

NÜRNBERG – Diese bange Frage stellen sich die rund 30.000 Beschäftigen der Firma Schlecker in Deutschland. Am 23.1.2012 haben Schlecker e.K., Schlecker XL, Schlecker Home Shopping und Ihr Platz beim Amtsgericht Ulm Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren gestellt. Voraussichtlich zum 1.4.2012 werden diese Verfahren eröffnet. Das Sagen hat nun der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Die Beschäftigten bekommen von der Agentur für Arbeit Insolvenzgeld (in Höhe des Nettoarbeitsentgelts). Ob es einen Insolvenzplan für einen geordneten Ablauf geben wird ist noch ungewiss. „Die Beschäftigten haben große Angst“, sagt eine Betriebsrätin aus Nürnberg. Der kda Bayern begleitet und unterstützt die Beschäftigten.

Ein Flugblatt an die Beschäftigten, Betriebsrätinnen sowie Kundinnen und Kunden der Firma Schlecker mit dem der kda Bayern, die Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, die Kath. Betriebsseelsorge Nürnberg im Erzbistum Bamberg und die Kath. Arbeitnehmer-Bewegung ihre Solidarität ausdrücken.