Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
09.12.2016
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13.12.2010

Väter im kda: Eine Befragung zur Situation von Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Foto: Golf

Väter leisten ihren Beitrag

In ausführlichen Interviews äußern sich sechs Mitarbeitende des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (kda) zu ihrer Rolle als Vater, ihren Aufgaben bei Erziehung und Haushalt, wie sie die Familie zusammen mit ihren ebenfalls berufstätigen Partnerinnen managen und wie sie mit Karriere, Teilzeit oder Vätermonaten umgehen. So entsteht ein beispielhafter und realistischer Bildausschnitt über den Arbeits- und Familiealltag von Vätern: Sie sind gerne mit ihren Kindern und der Familie zusammen, sie spielen, legen Wäsche zusammen, kaufen ein, führen Familienkalender und engagieren sich im Elternbeirat. Für sie ist es normal, dass ihre Frauen berufstätig sind, sie kommen ins Schleudern, wenn die Kinder krank sind, sie sind von langen Abend- und Wochenendterminen gestresst. Damit liegen Sie im Trend. Rund 18 Prozent der Väter in Deutschland nutzen mittlerweile die Vätermonate beim Elterngeld, nur noch 30 Prozent begreifen sich als „Ernährer“, dagegen 70 Prozent als „Erzieher“.

 

Vereinbarkeit ist ein hartes Geschäft

Die Väter und ihre Partnerinnen müssen sowohl langfristig genau planen als auch kurzfristig flexibel bleiben. Das kostet Kraft und Zeit für Aushandlungsprozesse. „Schön und anstrengend“ ist das, Stresszeiten und Konflikte inklusive. Die Paarbeziehungen sind so mancher Belastung ausgesetzt. Gemeinsam Kompromisse finden schweißt aber auch zusammen: „Die Kinder sind ein Element gemeinsamer Sorge, das verbindet unheimlich“. Den Vätern gelingt es dadurch auch, aus vormals gefestigten Rollen herauszugehen und neues einzuüben: Das soziale Leben um die Familie organisieren oder mit der Tochter Klamotten kaufen gehen.

 

Die Vaterrolle hat die Väter verändert

Von Kolleginnen und Kollegen werden sie jetzt schon mal nach ihren Kindern gefragt, sind stärker auch über Familie und Kinder definiert. Mit Kindern kommen ganz neue Aufgaben: Wissen und Bildung weitergeben, Vorbild, eine gute Zuhörer, Erzieher und Lebensbegleiter sein. Für manche entlastend, wenn „Familienmensch und Berufsmensch auf ihre Kosten kommen“. Da ist man zufriedener und entspannter. Und dann gibt es neue Themen zwischen den Väter-Kollegen, die andere Ebenen und Verbindungen entstehen lassen: Wie organisiert man sich als Elternpaar, Was tun beim Tobsuchtsanfall der Jüngsten, Welchen Sport macht Lukas?

 

Foto: Kaltenhäuser

Männer treten in neue Welten

Einige der Befragten haben Erfahrung mit Teilzeitarbeit gesammelt und neuen Perspektiven gewonnen. Sensibler sind sie geworden gegenüber denjenigen, die schon (fast) immer in Teilzeit arbeiten: Die Frauen. Man ist weniger präsent, aus dem Infosystem draußen, wird auch schon mal vergessen. Runterfahren und sich neu organisieren: Die Umgewöhnung fällt den Betroffenen schwer. Und auch in Frauendomänen wie „PEKiP“- Gruppen „ist man als Papa ein bisschen Fremdkörper“. In den Sozialisationsinstanzen müssen die Väter sich ihren Platz erst noch erobern. Hier gilt es, die Konzepte der (kirchlichen) Betreuungs-, Beratungs- und Bildungsangebote stärker auf Väter abzustimmen, denn sie werden dort vermehrt „auftauchen“.

 

Eine Arbeit wie im kda, die einerseits Freiräume und Flexibilität ermöglicht aber viele Abend- und Wochenendtermine sowie Hochfrequenzzeiten mit sich bringt, ist nicht immer familienfreundlich. Dies trifft sicher auch auf andere Arbeitsbereiche in der Kirche zu. Aktive Väter haben hier zunehmend ein Vereinbarkeitsproblem. Allerdings bleiben sie traditionell mit ihren Familienaufgaben unsichtbar, ihre Leistungen werden kaum wahrgenommen. Kirche und Diakonie als Arbeitgeber sind hier gefragt, das Thema aufzugreifen und mehr zu tun als bisher, um Vätern Vereinbarkeit zu ermöglichen und das Thema ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit zu rücken.

 

Die befragten Männer haben Neuland betreten und damit eine größere Vielfalt an Lebensentwürfen für sich selbst möglich gemacht. Zugleich haben sie ihren Partnerinnen neue Spielräume eröffnet. Im Sinne der Gleichberechtigung von Männern und Frauen sind familienengagierte Väter Türöffner für eine geschlechtergerechte Arbeits- und Lebensgestaltung.

 

 Hanna Kaltenhäuser, wissenschaftliche Referentin, kda Bayern

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