Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
24.07.2016

afa-Vollversammlung 2011

Demokratie in der Praxis bei afa-Vollversammlung am 14./15.5.2011 in Schney: Antrag, Diskussion, Abstimmung - und das gute Gefühl, etwas auf den Weg gebracht zu haben

LICHTENFELS-SCHNEY - "Wir haben ein Defizit an Fairness und Gerechtigkeit", sagte Edeltraud Glänzer. Mit dieser ernüchternden Feststelltung brachte das Ratsmitglied der EKD und Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Ernergie (IG BCE) in ihrem Hauptreferat bei der afa-Vollversammlung den Handlungsbedarf in diesem Land auf den Punkt. Rund 130 Delegierte und Gäste diskutierten das Motto "Lernen aus der Krise - für neue Partnerschaften in der Arbeitswelt". Die Delegierten der afa (Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern) fassten mehr als ein Dutzend Beschlüsse zu Themen im Bereich Arbeit, Wirtschaft und Soziales sowie Gesellschaft.

Edeltraud Glänzer, Ratsmitglied der EKD und Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Ernergie (IG BCE)

Das Motto der diesjährigen Vollversammlung knüpfte an ein Grundsatzwort der Bayerischen Landeskirche zur Wirtschaftsethik an. 

 

 

 

 

 

Grußwort von Peter Meyer, dem Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags

 

 

 

 

In einer Reihe von Grußworten aus Politik, Gewerkschaft und Kirche wurde die Bedeutung und Notwendigkeit der afa deutlich unterstrichen. 

Matthias Jena, Vorsitzender DGB Bayern

Der Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena, hob vor allem die Brückenfunktion der afa zwischen Kirche und Arbeitswelt hervor. Die afa stehe nicht in Konkurrenz zur Gewerkschaft im Betrieb, sondern als Ergänzung, sagte Jena.

 

Jenas Beobachtung nach ist es den Mächtigen ein Dorn im Auge, wenn Kirche sich engagiert zu den sozialen Belangen unserer Gesellschaft äußert. "Mir geht es genau andersrum. Ich wünsche mir meine Kirche manchmal noch etwas engagierter", um dann gleich die grundlegenden Fragen zu stellen: "Welche Wirtschaft wollen wir? Welche Gesellschaft wollen wir? Und welchen Staat wollen wir?"

Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner

Der zweiten Tag der Vollversammlung begann mit einem Gottesdienst, den die Delegierten mit der Kirchengemeinde Schney feierten. Die Predigt hielt Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner, in der sie auch auf die Notwendigkeit einer menschengerechten Arbeitswelt einging. Sie warb für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Der Landeskirchenrat hat dazu eine Unterschriftenaktion initiiert. Greiner würde es freuen, wenn "der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt und insbesondere die afa zum Motor" dieser Aktion würden.

Bericht über den Gottesdienst bei der afa-Vollversammlung am 15.5.2011

Dauer: ~7 Min.

 

afa-Landesvorsitzender Bernhard Dausend

Für den afa-Landesvorsitzenden Bernhard Dausend (Neuburg/Donau) hat die Vollversammlung vor allem deutlich gemacht, "wie wichtig es ist, dass sich afa und kda mit christlichen Werten in die Arbeitswelt einmischen. Ich bin bei der Vollversammlung bestärkt worden, dass die afa eine christliche Gemeinde ist und eine Heimat in der evangelischen Kirche hat, deren Mitstreiter sich mit aktuellen Themen der Arbeitnehmer beschäftigen, wie beispielsweise Leiharbeit, Mindestlohn und Krise. Wir haben bei der Vollversammlung Wege gesucht und diskutiert, die neue Perspektiven in der Arbeitswelt bieten und die Krise bewältigen helfen."

 

Delegierte
Klaus Rieth, Vorsitzender der Antragskommission

Die Forderung nach guten Lebensbedingungen für die Menschen drückt sich in einer Reihe von Anträgen an die Politik aus: beispielsweise Misstände in der Leiharbeit gesetzgeberisch zu beenden, Einführung eines branchenunabhängigen gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von 10 Euro, Einführung einer Finanztransaktionssteuer zur Eindämmung von Spekulationsgeschäften, Wiedereinführung der Vermögenssteuer, Reform zu einer paritätischen und solidarischen Finanzierung der Sozialversicherungssysteme, Beibehaltung des Ladenschlusses in Bayern, Verbot von Gentechnik bei Nahrungsmitteln.

Dr. Johannes Rehm, Leiter kda Bayern

Der Leiter des kda Bayern, Dr. Johannes Rehm, stellte neben seinem Bericht zehn Grundsätze der Unternehmensstrategie Gottes (4 Seiten, PDF-Datei ~50 KB) vor.

 

Die Vollversammlung ist ein satzungemäßes Organ der afa. Sie findet alle zwei Jahre statt. In Bayern gibt es rund 40 afa-Kreise, die durch Sozialsekretärinnen und Sozialsekretären des kda begleitet werden. Die Zusammenarbeit zwischen afa und kda Bayern ist in einer Kooperationsvereinbarung geregelt.

Fotos: Feulner