Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
26.05.2018
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Arif Taşdelen (MdL) besucht den kda Bayern und sein Projekt „start-ab!“

NÜRNBERG. Am Montag, 29.01.2018 besuchte der Vorsitzende der Enquete-Kommission „Integration“ des Bayerischen Landtags, Arif Taşdelen unter dem Motto "Integration regional denken" den kda Bayern. Im Gespräch mit kda-Leiter Dr. Johannes Rehm, seiner Stellvertreterin Dr. Sabine Behrendt und dem Projektverantwortlichen Martin Deinzer informierte sich der Nürnberger Landtagsabgeordnete insbesondere über die Arbeit von start-ab!.


Bild 1: Arif Taşdelen im angeregten Gespräch mit Diakon Martin Deinzer von start-ab!

Bild 2: Es gab viele Aspekte der Integration von Geflüchteten in die Arbeitswelt, über die sich Sabine Behrendt, Martin Deinzer, Arif Taşdelen und Johannes Rehm (v.l.n.r.) austauschten.

 

Projekt start-ab! bietet Hilfe ohne Hürden

Das noch junge Projekt kam im September letzten Jahres zum Angebot des kda hinzu. Es bietet die Prinzipien der „klassischen“ Angebote für eine spezielle Zielgruppe innerhalb der Arbeitnehmerschaft an. So ist neben Gruppenangeboten eine individuelle Begleitung der Herausforderungen im Arbeitsalltag ohne große Hürden und Zugangsbeschränkungen möglich. „Wir denken vom Menschen als Arbeitnehmer und Kollege her, nicht von einem rechtlichen Status und oder staatlichen Vorgaben her“, erläutert Diakon Martin Deinzer den Ansatz von „start-ab!“.

Im Januar sind nun neben der individuellen Begleitung die beiden Gruppenangebote gestartet. In Nürnberg und Weißenburg bietet das Projekt Stammtische für „working refugees“ zum kollegialen Austausch, an der beruflichen Schule 11 der Stadt Nürnberg beteiligt es sich an der wöchentlichen Prüfungsvorbereitung im Fach Wirtschaft- und Sozialkunde in Kooperation mit der Jugendsozialarbeit an Schulen.

 

Zahlreiche Herausforderungen für Politik und Unternehmen

Wie wichtig eine solch unkomplizierte Begleitung für Geflüchtete in ihrem Arbeitsalltag ist, zeigen die verschiedenen Themen, die im Gespräch mit MdL Taşdelen aufkamen.

Einig waren sich alle vier Gesprächspartner, dass großer Handlungsbedarf auf politischer Ebene bei einer Arbeitserlaubnis für Asylsuchenden ohne oder mit geringer Bleibeperspektive besteht. Aufgrund langwieriger Verfahren bleiben diese Menschen trotzdem oft mehrere Jahre in Deutschland, ohne arbeiten zu dürfen. Weder für den Einzelnen noch für die Wirtschaft oder die Gesellschaft ist eine solche Lösung hilfreich.

Darüber hinaus kamen nicht nur die teils strikten Gesetzesauslegungen durch Behörden und die gesellschaftlichen Ängste zur Sprache, sondern auch die Herausforderungen, vor denen Betriebe stehen. „Es kann nicht sein, dass  Arbeitgeber klagen müssen, wenn sie Arbeitnehmer beschäftigen wollen. Viele Betriebe suchen doch händeringend nach Mitarbeitern. Wirtschaftlich gesehen können wir uns diesen Irrsinn eigentlich gar nicht leisten“, kommentiert der Vorsitzende der Enquete-Kommission des Bayerischen Landtags den restriktiven Umgang des Freistaats mit der Vergabe von Arbeitserlaubnissen.

Doch wo die persönliche Unterstützung durch Ausbilder und Kollegen an Grenzen stößt, braucht es flexible Unterstützungsmöglichkeiten. „Wir investieren viel in die Begleitung von Minderjährigen, um sie dann mit 18 Jahren in eine Gruppenunterkunft zu schicken. Für viele bedeutet das einen sehr gefährlichen Beziehungsabbruch, der alle vorher geleisteten Investitionen für eine gelingende Integration gefährdet“, so Taşdelen. Und damit wird eventuell die Chance vertan, die Menschen von der Straße zu holen und in die Verantwortung zu nehmen.

„Viele Arbeitnehmer mit Fluchterfahrung, die ich begleite, wollen ja mit ihrer Arbeit etwas an die deutsche Gesellschaft zurückzahlen und eben niemandem zur Last fallen. Es ist geradezu absurd und ein Spiel mit dem Feuer, so viele zu einer Abhängigkeit von Transferleistungen und zum Nichtstun zu verdammen“, gibt Martin Deinzer einen Einblick in die Gefühlswelt der Geflüchteten. Jeder in Unterstützung investierte Euro ist eine Investition in die verantwortliche und freie Gesellschaft.

 

Taşdelen von start-ab! beeindruckt

Taşdelen zeigte sich deshalb von der Arbeit des start-ab!–Projekts des kda beeindruckt. Seiner Meinung nach sei nach der Suche nach einer Wohnung „das Arbeitsumfeld das Zweitwichtigste, das Menschen herausfordert bei der Integration in Deutschland“. Doch außerhalb der Beruflichen Jugendhilfe gibt es z.B. für ältere Arbeitnehmende kaum Begleitung im Arbeitsleben. „Hier tut sich eine ganz große Lücke auf, in die der kda mit dem Projekt start-ab! stößt. Diese Arbeit ist immens wichtig“, findet Taşdelen.

 


30.01.2018 12:20