Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
24.03.2017
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Protest am Tag der Pflege: Reformen bringen keine Verbesserungen

NÜRNBERG – Rund 400 bayerische Pflegekräfte sind am Donnerstag zum "Tag der Pflege" in Nürnberg für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Lautstark forderten sie mehr Geld für die Pflegebranche und mehr Zeit für die Patienten. Bei der von allen großen Wohlfahrtsverbänden veranstalteten Demonstration versicherte der Pflegebeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof (CSU), den Protestierenden: "Ich stehe uneingeschränkt hinter Ihnen."



Alle Jahre wieder am Tag der Pflege: Beschäftige machen deutlich, wo ihnen der Schuh drückt – Foto: Feulner

 

 

Es gebe für die Pflegebranche in Politik und Gesellschaft nicht die nötige Rückendeckung, sagte Imhof. Den Pflegekräften fehle eine starke Interessenvertretung. Gegenüber epd erklärte Imhof: "Hier sollten eigentlich 5.000 Protestierende stehen". Insgesamt seien etwa 120.000 Menschen in Bayern in der Pflege tätig.

 

Trotz erreichter Verbesserungen in den vergangenen Jahren seien die Rahmenbedingungen noch schlecht. Es müsse in den Pflegeheimen einen besseren Personalschlüssel geben. "Hier muss man entschieden aufstocken, das ist der Dreh- und Angelpunkt", sagte der Pflegebeauftragte. Dazu müsse die Pflegeversicherung "besser unterfüttert werden".

 

Er sei davon überzeugt, dass viele junge Leute gerne in der Pflege arbeiten würden, "wenn die Rahmenbedingungen stimmen", sagte Imhof. Heute würde ihnen aber oft von einer solchen Ausbildung abgeraten mit den Worten "Kind, da arbeitest du dich auf". Er stelle fest, dass immer mehr Pflegekräfte nicht nur frustriert, sondern inzwischen auch resigniert seien.

 

Michael Groß, Geschäftsführer des Caritasverbandes Nürnberger Land, warb dennoch für die Pflegeausbildung, für "den schönsten Beruf der Welt". "Wir müssen dahin kommen, dass Eltern ihren Kindern raten, diesen Beruf zu erlernen", wünschte er sich. Das täten sie aber nur, wenn in der Altenpflege genügend Zeit sei, um Menschen human zu pflegen.

 

Der bayerische Diakoniepräsident Michael Bammessel setzt auf Nachwuchs für die Pflege aus den Reihen der Migranten. Die Zuwanderer sollten "die Sozialexperten von morgen werden", sagte er dem epd bei der Kundgebung. "Ärgerlich" nannte es Bammessel, dass "verheißungsvolle Reformen" in den vergangenen Jahren begonnen worden seien, die aber in entscheidenden Punkten keine Verbesserungen gebracht hätten.


epd / Feulner


13.05.2016 12:15