Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
19.11.2017
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Rehm ruft zur Unterstützung der Petition für den freien Sonntag auf

Auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Markus in der Nürnberger Südstadt hielt der Leiter des kda Bayern, Pfarrer Dr. Johannes Rehm, am Sonntag den 13. August 2017 eine Themenpredigt zu "Arbeit 4:0 und Sonntags frei?" In seiner Predigt plädierte er für eine erneuerte Sonntagskultur: " Am Sonntag wird etwas davon sichtbar, wie hier ein Tag in der Woche gerade in der Abgrenzung von den Arbeitstagen, also vom „alten“ Leben mit all seiner Plage, dazu dient, den Blick zu richten auf die vom Herrn geschenkte Güte alles Geschaffenen, und wie dabei auch das „neue“ Leben durchaus sichtbar wird. Das „Beschauen“ des Wortes Gottes, von dem es heißt, es vermöge aus dem Nichts zu schaffen, könnte vielmehr einer sonntagsentwöhnten, in Alltagsgeschäften versumpfenden Gesellschaft zu einer Kultur (zurück-)verhelfen, deren heilende Kräfte weitaus wirksamer sind als jedes Wellnessprogramm."


 

Im Anschluss an seine Predigt solidarisierte er sich mit der aktuellen Online-Petition der "Allianz für den freien Sonntag" und gab folgende Erklärung ab:

 

"Der Sonntag ist aus der Perspektive des christlichen Glaubens, aber auch aus gesellschaftlicher Sicht sehr wichtig. Er ist bis heute einer der bedeutenden Beiträge des Christentums zur Kultur unserer gesamten Gesellschaft. Auch Nicht-Christen freuen sich über die erholsame Unterbrechung der Werktage, über die Chance, freie Zeit mit anderen zu verbringen, über die Möglichkeit einmal innezuhalten. Der Sonntag ist ein Angebot an alle Menschen, gelöst vom Alltagsstress danach zu fragen, was uns wirklich im Leben leitet und trägt. Die Freude über den freien Sonntag ist heute allerdings begleitet von der bangen Frage, wie lange es diese Sonntagsruhe in unserer hyperaktiven Gesellschaft noch geben wird. Kann die Jahrtausende alte Tradition der Ruhe im digitalen Zeitalter überleben?

 

Noch ist die Arbeit an Sonn- und Feiertagen ja eine Ausnahme. Die meisten Menschen haben sonntags frei. Doch etwa jeder vierte Erwerbstätige muss gelegentlich, regelmäßig oder sogar ständig auch an Sonntagen arbeiten. Betroffen sind in Bayern ca. 1,8 Millionen Erwerbstätige.
Ich rede dabei längst nicht nur von den „klassischen“ Sonntagsarbeitern wie Polizistinnen oder Krankenpfleger, auf deren Dienste wir natürlich auch sonntags nicht verzichten können. Ich rede auch nicht von den Berufsgruppen, die ja gerade am Sonntag arbeiten wollen und sollen, um den Tag zu etwas Besonderem zu machen, etwa Künstler oder natürlich auch wir Pfarrer. Ich frage mich aber, warum am Sonntag immer öfter auch in Fabriken, in Büros, am Bau oder im Einzelhandel gearbeitet wird? Viel zu häufig wird die Arbeitsruhe aufgrund wirtschaftlicher Interessen durchbrochen.

 

Vielleicht haben Sie es gelesen oder gehört: Kürzlich starteten zwei große Warenhauskonzerne eine politische Kampagne, mit der sie nicht etwa zwei oder vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr fordern, sondern 52 verkaufsoffene Sonntage. Sie wollen den Sonntag also praktisch abschaffen.
Offenbar kommt unserer Gesellschaft das Gefühl, dass der Sonntag etwas Besonderes, ja etwas Heiliges ist, langsam abhanden. Umso wichtiger finde ich es, dass wir Christinnen und Christen uns gemeinsam mit Gewerkschaften, mittelständischen Unternehmen, Familienverbänden und anderen Partnern für diesen kulturellen Schatz engagieren. 

Denn wer kann eigentlich ernsthaft wollen, dass es nur noch eine endlose Reihe von immer gleichen Werktagen gibt? Der Sonntag ist ein Geschenk des Himmels! Wir müssen hier auf Erden gut darauf aufpassen, damit sich auch künftige Generationen an freien Sonntagen erfreuen können.

 

Ich lade Sie ein – passend zum Thema unserer heutigen Predigt– eine Initiative der Allianz für den freien Sonntag zu unterstützen, zu deren Mitstreitern unser Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt gehört. Wir haben vor kurzem eine Online-Petition gestartet mit dem Titel „Der Sonntag muss frei bleiben!“ Wir wollen damit ein Zeichen setzen gegen die genannte Kampagne zweier Handelskonzerne, die 52 Shoppingsonntage im Jahr fordern. Unsere Petition hat bereits einige tausend Unterstützer, benötigt aber noch viel viel mehr. Sie finden Sie ganz leicht im Internet unter change.org/sonntag. Mit wenigen Klicks können Sie dort einen kleinen Beitrag zum Sonntagsschutz leisten und gern auch dazuschreiben, warum Ihnen ganz persönlich der freie Sonntag wichtig ist." 

 

Ein Video hierzu sehen Sie hier.

 

 

 

 


14.08.2017 12:59