Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
23.09.2017
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Sonntagsshopping-Kampagnen stoßen auf Gegenwehr

Bereits 5000 Menschen, Beschäftigte des Einzelhandels, engagierte Christen und andere Sonntagsschützer, haben die Online-Petition „Der Sonntag muss frei bleiben!“ (www.change.org/sonntag) unterzeichnet. Sie richtet sich gegen eine Initiative zweier großer Warenhäuser sowie großer Shoppingcenter, die den Sonntag im Handel ganz abschaffen wollen. (s. Pressemitteilung der Münchner Sonntagsallianz)


 

  

Der kda und die Allianz für den freien Sonntag rufen dazu auf, die Online-Petition zu unterstützen und zu verbreiten. „Wir werden ein starkes Votum für den freien Sonntag brauchen, denn die aktuelle Debatte stellt die Sonntagsruhe grundsätzlich in Frage“, so kda-Leiter Johannes Rehm.

 

Denn nicht nur Handelskonzerne wie Karstadt und Kaufhof attackieren derzeit den arbeitsfreien Sonntag. Diese Woche stellte die neue Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ein so genanntes „Entfesselungspaket“ vor, das harte Maßnahmen gegen den Sonntagsschutz enthält. Die Zahl der Sonntagsöffnungen soll von 4 auf 8 pro Jahr verdoppelt werden. Außerdem soll der Einzelhandel am Samstag bis Mitternacht öffnen dürfen – eine weitere empfindliche Störung des darauf folgenden Sonntags für die Beschäftigten und ihre Familien. Wer wird z.B. am Sonntagmorgen in den Gottesdienst gehen, wenn sie oder er erst nachts um 1:00 Uhr von der Arbeit zurückkommt?

 

Gefährlich ist die neue Logik, mit der Verkaufsoffene Sonntage künftig begründet werden sollen: Sonntagsshopping wird mit Gemeinwohlförderung gleichgesetzt. Sollte sich diese Argumentation politisch und verfassungsrechtlich durchsetzen, gäbe es bald gar keinen Grund mehr, die Zahl der Sonntagsöffnungen überhaupt noch zu begrenzen. Wenn Wirtschaftsinteressen umstandslos mit öffentlichem Interesse gleichgesetzt werden, könnten außerdem auch andere Branchen diese Logik für sich beanspruchen.

 

Es gibt eine ganze Reihe neuer Initiativen gegen den freien Sonntag, die sich offenbar das Motto „Shoppen fürs Gemeinwohl“ zu eigen machen. Ein Bündnis mehrerer Industrie- und Handelskammern hat dazu ein Rechtsgutachten vorgelegt. Weitere Vorstöße aus dem Handel sind für die Zeit der Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl zu erwarten.

 


30.08.2017 17:22