Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
17.01.2018
Sie sind hier: www.kda-bayern.de

Totale Vernetzung trifft Sozialethik – Männerabend zum Thema Digitalisierung

Die Entwicklungen der Digitalisierung sind in aller Munde – so auch beim Männerabend der evangelischen Kirchengemeinde St. Jobst in Nürnberg unter Leitung von Pfarrer Johannes Tröbs. Bei der Abendveranstaltung gestern stand das Thema „Arbeit 4.0 – Chancen, Grenzen und Probleme der Digitalisierung“ im Mittelpunkt. Referenten waren der Leiter des kda, Dr. Johannes Rehm, sowie der ehemalige Marketingdirektor der Quelle AG und Firmengründer von Dialogmarketing Development sowie Vorstandsvorsitzender des Nürnberger Stadtseniorenrats Christian Marguliés.


Die Teinehmer des Männerabends hören kritisch und interessiert zu. (Foto: Johannes Tröbs)

 

Totale Vernetzung und die besondere Rolle Chinas

Die Zukunft wird eine „totale digitale Vernetzung zu Hause, unterwegs und im Beruf“ mit sich bringen, so der Wirtschaftswissenschaftler in seinem Vortrag. Bereits seit den 1990er Jahren begannen Firmen mit dem Aufbau von großen Datenbanken mit Informationen über ihre Kundinnen und Kunden, um diese gezielt bewerten und einschätzen zu können. Das Thema Datenschutz und die entsprechenden gesetzlichen Regelungen werden jedoch mit geteiltem Echo aufgenommen. Was die einen als Bevormundung der Bürger kritisieren, sehen die anderen als Meilenstein im Verbraucherdatenschutz, so Marguliés.

Aufgrund eigner Reisen ins Silicon Valley und nach Fernost ist er der Meinung, dass China im Bereich der digitalen Technologien „selbst den USA und erst recht Europa den Rang ablaufen und so den Weltmarkt erobern wird“.

 

 

Menschsein trotz Digitalisierung und kritischer Dialog

„Von einem biblischen Verständnis der Arbeit her ist im Zeitalter der Digitalisierung nicht nur eine Relativierung der Bedeutsamkeit von Arbeit angezeigt, sondern es ergeben sich auch kritische Rückfragen zu Ort und Zeit der Arbeit.“, betont Rehm demgegenüber. So ist aus sozialethischer Sicht beispielsweise nach der Begrenzung von Arbeit zu fragen, gerade weil Arbeitszeit und –orte zunehmend entgrenzt werden. Und die Preiskonkurrenz von menschlicher Arbeit mit autonomen und vernetzten Robotern stellt einmal mehr die Frage nach dem Wert von Arbeit.

Insgesamt, so fordert der Theologe, darf der Blick auf den Menschen auch bei aller Digitalisierung in der Arbeitswelt nicht verloren gehen. Die gesellschaftliche Teilhabe des Einzelnen und das Menschenrecht auf Arbeit müssen bestehen bleiben. Dazu braucht es nicht zuletzt „den Dialog über die genannten Fragen mit allen Akteuren der Arbeitswelt in Nüchternheit, Respekt und mit kritischen Verstand.“

 

 


15.12.2017 13:32