Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
22.05.2012

Arbeitnehmende und Kirche zwischen Nähe und Distanz

Ausgangslage

Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt der evangelischen Kirche in Bayern (kda) führt 2010 bis 2012 eine Studie zusammen mit der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Institut für Praxisforschung und Evaluation (IPE), durch mit dem Titel: Arbeitnehmende und Kirche zwischen Nähe und Distanz.

 

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen Arbeitnehmende aus Industrie, Verarbeitendem Gewerbe und Dienstleistungssektor und ihre Bezüge zu den großen christlichen Kirchen und umgekehrt die Bezüge der Kirchen zu Arbeitnehmenden.

 

Ausschlaggebend für die Studie ist der Tatbestand, dass die Kirchen in Deutschland längst nicht alle Bevölkerungsgruppen und Milieus gleichermaßen erreichen. In den Kirchengemeinden ist oft nur ein begrenztes Spektrum der Gesellschaft vertreten, Arbeitnehmende sind dort häufig unterrepräsentiert. Die Probleme der Arbeitswelt und die Arbeitnehmenden selbst drohen aus dem Blickfeld der Gemeinden zu verschwinden, wenn die Realität in den Betrieben und die Lebensrealität von Arbeitnehmenden nicht präsent sind.

 

Ziel des Projekts

Im Projekt soll der Frage nachgegangen werden, warum Arbeitnehmende in der Kirche wenig oder nur selten vertreten sind und was mögliche Gründe hierfür sein könnten. Umgekehrt soll das Verhältnis der Kirche zu Arbeitnehmenden und zu Themen und Problemen der Arbeitswelt untersucht werden.

 

Dabei stehen 3 Fragestellungen im Fokus:

  • die wechselseitige Wahrnehmung von Arbeitnehmenden und Kirche
  • das bessere Kennen lernen der Lebens- und Arbeitsrealität von Arbeitnehmenden und deren Erfahrungen mit Kirche
  • die Erhöhung der Attraktivität von Veranstaltungsangeboten der Kirche, um Arbeitnehmende in ihrer Freizeit besser ansprechen und ihre Bedürfnisse gezielter berücksichtigen zu können

 

Projektverlauf

Die 1. Phase der Datenerhebung fand im Herbst 2010 mittels qualitativer Experteninterviews statt. Es wurden 15 Personen befragt, die auf Grund ihrer Tätigkeit (Beruf und/oder Ehrenamt) über ein professionelles Erfahrungswissen über den Forschungsgegenstand verfügten.

 

In einer 2. Phase, die vom Sommer 2011 bis Frühjahr 2012 stattfindet, werden Arbeitnehmende aus Industrie, Verarbeitendem Gewerbe und Dienstleistung über ihre Erfahrungen und ihre Verbundenheit zu Kirche und Gemeinden befragt. Gleichzeitig werden Kirchenvorstände zu ihren Erfahrungen mit und ihrer Verbundenheit zu Arbeitnehmenden und Themen der Arbeitswelt befragt. Das Erhebungsinstrumentarium ist ein Fragebogen; der Kontakt zu den Arbeitnehmenden wird, mit Einverständnis von Betriebsrat und Unternehmensleitung, über  Betriebe erfolgen, der Kontakt zu den Kirchenvorständen über Kirchengemeinden.

 

In einer 3. Phase des Projektes sind Gesprächsforen geplant, in denen beide Akteure miteinander ins Gespräch kommen. Gegen Ende des Projektes wird voraussichtlich eine Fachtagung stattfinden mit dem Ziel der Ergebnispräsentation, -diskussion und möglichen Handlungsoptionen für Kirchengemeinden vor Ort.